Was passiert, wenn Schulleiter:innen und Pädagog:innen die Türen zu ihren Kindergärten und Schulen öffnen und zeigen, wie Lernen bei ihnen ganz konkret funktioniert? Wenn man nicht nur über neue pädagogische Ansätze spricht, sondern sie dort erlebt, wo sie bereits Alltag sind? Genau darum geht es bei „reinschnuppern & austauschen“. Gemeinsam mit Schule im Aufbruch und der Pädagogischen Hochschule Wien (PH Wien) haben wir dazu eingeladen, innovative Lernorte in Wien kennenzulernen, Einblicke in ihre Praxis zu bekommen und miteinander ins Gespräch zu kommen.
Im vergangenen Schuljahr, von Herbst 2025 bis Frühjahr 2026, haben wir gemeinsam acht Lernorte (Kindergärten und Schulen) in Wien besucht. Im Herbst 2026 geht „reinschnuppern & austauschen“ in die nächste Runde, mit acht weiteren Lernorten und vielen neuen Einblicken und Möglichkeiten neue Ansätze und Perspektiven kennenzulernen.
An vielen Wiener Kindergärten und Schulen wird Bildung schon heute anders gedacht und gelebt. Pädagog:innen erproben neue Lehr- und Lernformen, schaffen besondere Lernräume, entwickeln neue Formen der Zusammenarbeit oder finden ganz eigene Antworten auf die Herausforderungen ihres Alltags. Vieles davon bleibt allerdings innerhalb der eigenen Einrichtung. Dabei steckt gerade in diesen Erfahrungen viel Wissen, von dem auch andere profitieren können. Mit „reinschnuppern & austauschen“ wollen wir dieses Wissen sichtbar und zugänglich machen. Deshalb führen die Besuche nicht in Tagungsräume, sondern direkt dorthin, wo Lernen stattfindet: in Kindergärten, Klassenzimmern, Lernräumen und Schulen.
Zahlreiche Pädagog:innen, Schulleitungen und Bildungsgestalter:innen haben im vergangenen Schuljahr die Möglichkeit bekommen, sich anzusehen, wie pädagogische Konzepte in der Praxis funktionieren. Sie konnten erleben, nachfragen, diskutieren und sich mit jenen austauschen, die diese Ansätze tagtäglich umsetzen.
Von selbstorganisiertem Lernen über Inklusion und neue Lernräume bis hin zu Schul- und Personalentwicklung: Unsere Besuche haben gezeigt, wie unterschiedlich Innovation in Kindergärten und Schulen aussehen kann.
Den Auftakt machte im Oktober 2025 das TGM Wien mit seinem Lernbüro. Jugendliche gestalten dort ihre Lernwege selbst, entscheiden, woran und in welchem Tempo sie arbeiten, und werden dabei von Coaches begleitet, die Feedback geben und Reflexion unterstützen.
Im November standen mit der Volksschule Friedrichsplatz und der Lerngemeinschaft 15 zwei Schulen im Mittelpunkt, die Einblicke in gelebte Inklusion ermöglichen. In Mehrstufenklassen lernen Kinder unterschiedlichen Alters gemeinsam, übernehmen Verantwortung und entdecken ihre individuellen Stärken. Offene und projektorientierte Lernformen schaffen dabei Raum für unterschiedliche Lernwege.
In der Löwenschule Aspern konnten wir erleben, wie Lernen aus der Neugier der Kinder heraus entstehen kann. In der Forscherwerkstatt wird selbst experimentiert und entdeckt, während Pädagog:innen begleiten und unterstützen. Individuelles Lerntempo, frei gewählte Lernorte sowie Dialog und Wertschätzung prägen den Schulalltag.
Wie sich auch neue Lernformen etablieren lassen, zeigte die Business Academy Donaustadt. Mit „HAK Innovativ“ und „HAK Experience“ setzt sie unter anderem auf flexible Lernräume, kooperatives und erfahrungsorientiertes Lernen, digitale Elemente und mehr Eigenverantwortung der Schüler:innen.
An der UNESCO-Mittelschule Georg-Wilhelm-Pabst-Gasse rückte ein weiteres zentrales Thema in den Fokus: Vielfalt als gelebter Teil des Schulalltags. Besonders spannend war dabei der Blick darauf, wie die Zusammenarbeit zwischen Schule, Schüler:innen und Eltern gestaltet werden kann und welche Rolle Beziehungen für eine funktionierende Schulgemeinschaft spielen.
Im März führte uns „reinschnuppern & austauschen“ erstmals in einen Kindergarten. Der Kindergarten Maria-Rekker-Gasse der Kinderfreunde Wien ist ein wissenschaftlich begleitetes Leuchtturmprojekt für inklusive Elementarpädagogik. Ein offener Zugang für alle Kinder, die umfassende Begleitung von Familien und ein multiprofessionelles Team zeigen, wie Inklusion im Kindergarten konsequent gelebt und gemeinsam weiterentwickelt werden kann.
Ebenfalls im März besuchten wir die Anton-Krieger-Gasse, besonders die Kulturtage zeigen, wie Schüler:innen Verantwortung übernehmen und ihre Interessen und Kompetenzen sichtbar machen: Sie organisieren die Veranstaltung selbst und präsentieren ihre Arbeit in Form von Experimenten, Ausstellungen, Bühnenformaten und digitalen Projekten.
Den Abschluss des ersten reinschnuppern & austauschen-Jahres bildete die Modulare Mittelstufe Aspern, die 2023 mit dem Staatspreis Innovative Schulen ausgezeichnet wurde. Dieses Mal lag der Fokus bewusst hinter den Kulissen: auf Organisations- und Personalentwicklung. Vom mehrstufigen Onboarding über die Teacher Academy bis hin zu klaren Verantwortlichkeiten, Mitarbeiter:innengesprächen und Jahresarbeitsvereinbarungen wurde sichtbar, wie Schulentwicklung strukturell im gesamten Team verankert werden kann.
Dass es nicht die eine richtige Art gibt, Kindergarten oder Schule zu gestalten, wurde bei unseren acht Besuchen schnell deutlich. So unterschiedlich die Lernorte und ihre Ansätze auch waren, eines hat sich durch alle Besuche gezogen: Innovation in Bildung hat viele Gesichter. Sie zeigt sich in Räumen, die selbstständiges Lernen ermöglichen. In Pädagog:innen, die begleiten statt vorgeben. In altersübergreifendem und inklusivem Lernen. In Schüler:innen, die Verantwortung für ihren eigenen Lernprozess übernehmen. Aber auch in Strukturen und einer Organisationskultur, die Pädagog:innen dabei unterstützen, Schule und Kindergarten gemeinsam weiterzuentwickeln.
Genau diese Vielfalt wollen wir mit „reinschnuppern & austauschen“ sichtbar machen. Nicht mit dem Anspruch, fertige Lösungen zu präsentieren, die sich eins zu eins übertragen lassen. Sondern indem wir die Türen zu Lernorten öffnen, Fragen stellen und gemeinsam herausfinden: Was funktioniert hier und was davon kann uns für die eigene Praxis inspirieren?
Die Besuche verbinden deshalb drei Dinge: reinschnuppern, austauschen und weiterdenken. Es geht darum, pädagogische Beispiele und gelingende Lehr- und Lernformen sichtbar zu machen. Gleichzeitig schaffen die Besuche Raum für Austausch und gegenseitiges (voneinander) Lernen. Gemeinsam schauen wir darauf, welche Faktoren dazu beitragen, dass neue Ansätze funktionieren, welche Rahmenbedingungen sie brauchen und was sich daraus für andere Lernorte ableiten lässt. Gute Ideen müssen und dürfen nicht an der Tür eines Kindergartens oder einer Schule enden.
„reinschnuppern & austauschen“ richtet sich an alle, die im Bildungsbereich aktiv sind oder sein werden, im Kindergarten, in der Schule oder darüber hinaus. Die Besuche bieten die Möglichkeit, Bildungsinnovationen kennenzulernen, die bereits praktisch umgesetzt werden. Teilnehmende können Menschen treffen, die Bildung jeden Tag gestalten, Fragen stellen, eigene Erfahrungen teilen und Impulse für ihre Arbeit mitnehmen. Dabei muss nicht jede Idee zum eigenen Lernort passen. Manchmal ist es ein pädagogischer Ansatz, der hängen bleibt. Manchmal ein Raumkonzept. Manchmal eine kleine Veränderung im Alltag. Und manchmal ist es schlicht ein Gespräch mit Kolleg:innen, das eine neue Perspektive eröffnet oder mir zeigt, welche innovativen Ansätze ich bereits im meinem Arbeitsalltag lebe.
Nach acht Besuchen im vergangenen Schuljahr setzen wir „reinschnuppern & austauschen“ gemeinsam mit Schule im Aufbruch und der Pädagogischen Hochschule Wien (PH Wien) fort. Von Herbst 2026 bis Frühjahr 2027 öffnen wieder acht Wiener Kindergärten und Schulen ihre Türen und geben Einblicke in ihre Arbeit. Damit geht die Entdeckungsreise durch Wiens Bildungslandschaft weiter, mit neuen Lernorten, unterschiedlichen pädagogischen Zugängen und vor allem viel Raum, um voneinander zu lernen.
Denn viele gute Ideen sind längst da. Manchmal muss man nur die richtige Tür öffnen, um sie kennenzulernen.
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