Februar 2026

Kindergarten neu denken

(c) Stadt Wien Markus Waches

Im Jänner hat Bettina Emmerling, Vizebürgermeisterin und Bildungsstadträtin der Stadt Wien, im Education Lab ihre Grundsatzrede „Kindergarten neu denken“ gehalten. Für uns war dieser Termin mehr als ein Programmpunkt: Er war ein starkes Signal dafür, dass das Education Lab als offener Ort für Austausch, gemeinsames Weiterdenken und Innovation im Bildungsbereich wahrgenommen wird.

Im Anschluss an die Rede haben wir eine Umfrage an die Teilnehmenden ausgeschickt, die neben mehreren praxisnahen Einschätzungsfragen auch eine offene Frage beinhaltete. Uns ging es vor allem darum, Rückmeldungen aus dem Alltag zu sammeln, die Impulse der Rede aufzugreifen und besser zu verstehen, wo aus Sicht der Beteiligten aktuell der größte Verbesserungsbedarf liegt. Auf diese Weise wurden Stimmen aus unterschiedlichen Perspektiven sichtbar und es zeigte sich, wo aktuell der größte Handlungsbedarf gesehen wird.

Wer hat teilgenommen und aus welcher Perspektive?

(Konkrete Fragestellung: Ihre Perspektive: Aus welcher Perspektive beantworten Sie diese Umfrage?)

An der Umfrage haben über 160 Personen teilgenommen, deren Rückmeldungen ein breites Spektrum an Perspektiven abbilden:

  • ein Großteil aus elementarpädagogischen Einrichtungen,
  • rund ein Drittel aus dem Bildungssystem insgesamt,
  • ebenso Personen, die sich intensiv mit Bildungsthemen beschäftigen, die wir im Education Lab als Bildungsgestalter:innen verstehen.

 

Diese Vielfalt war uns besonders wichtig, weil nachhaltige Weiterentwicklung nur durch das Zusammenführen unterschiedlicher Erfahrungen, Perspektiven und Blickwinkel gelingt.

Wie wird der Status quo eingeschätzt?

(Konkrete Fragestellung: Gesamteinschätzung: Ist die Elementarbildung in Wien aus Ihrer Sicht zeitgemäß aufgestellt?)

Die Elementarbildung in Wien wird überwiegend als teilweise zeitgemäß wahrgenommen (rund 45 % der Befragten). Gleichzeitig zeigt sich deutlich: Mehr als ein Drittel (rund 38 %) sieht sie eher nicht oder nicht zeitgemäß aufgestellt. Nur etwa 16 % bewerten sie als (sehr) zeitgemäß.

Das unterstreicht, dass Reformdiskussionen nicht abstrakt sind, sondern an reale Erfahrungen im Alltag anknüpfen. Im Education Lab verstehen wir das als Einladung, genau diese Perspektiven zusammenzubringen und in den Dialog zu übersetzen.

Wo der größte Entwicklungsbedarf gesehen wird

(Konkrete Fragestellung: Aktuelle Herausforderungen: Wo sehen Sie aktuell den größten Entwicklungsbedarf im System der Elementarbildung? Mehrfachantworten möglich.)

Über alle Gruppen hinweg kristallisieren sich klare Schwerpunkte heraus:

  • Personal und Fachkräfte (über 90 % der Teilnehmenden),
  • Sprache und Sprachförderung (rund 53 %),
  • Organisation sowie Verwaltungs- und Prozessfragen (jeweils rund 50 %),
  • Zusammenarbeit mit Eltern und Bildungspartnerschaft (rund 36 %).

 

Diese Themen sind nicht neu, aber die Deutlichkeit, mit der sie genannt werden, zeigt, wie dringend konkrete Verbesserungen erlebt werden.

Was den Arbeitsalltag spürbar erleichtern würde

(Konkrete Fragestellung: Verbesserungen für den Arbeitsalltag: Welche der folgenden Maßnahmen würden den Arbeitsalltag in elementarpädagogischen Einrichtungen am stärksten erleichtern? Mehrfachantworten möglich.)

Auch bei den vorgeschlagenen Maßnahmen ist das Bild konsistent:

  • Entlastung durch weniger Bürokratie,
  • multiprofessionelle Teams und erweiterte Berufsbilder,
  • flexiblere Organisations- und Betreuungsmodelle,
  • klare Leitungsmodelle mit Trennung von Pädagogik und Administration,
  • attraktive Entwicklungs- und Karrierewege.

 

Hier geht es weniger um Einzelmaßnahmen als um strukturelle Rahmenbedingungen, die Qualität ermöglichen und Fachkräfte im System halten.

Die offene Frage: Was wirklich verändern würde

(Konkrete Fragestellung: Eine offene Frage: Ihre wichtigste Veränderung: Wenn Sie die Möglichkeit hätten, eine Sache zu verändern, um die Elementarbildung in Wien spürbar zu stärken, was wäre das?)

In den freien Antworten wiederholen sich vor allem drei Anliegen: mehr Personal, bessere Betreuungsschlüssel und ein höherer gesellschaftlicher Stellenwert der Elementarbildung.

Diese Rückmeldungen verdeutlichen, dass Reformen aus Sicht der Praxis nur dann wirken, wenn sie mit ausreichenden Ressourcen, Anerkennung und spürbaren Entlastungen verbunden sind.

(c) Stadt Wien Markus Waches

Was das für unsere Arbeit im Education Lab bedeutet

Für uns als Education Lab sind diese Ergebnisse Bestätigung und Auftrag zugleich. Bestätigung, weil sich zeigt: Es braucht Räume, in denen Praxis, Politik, Verwaltung und Bildungsinitiativen auf Augenhöhe ins Gespräch kommen, jenseits bestehender Zugehörigkeiten, Routinen oder institutionellen Logiken. Genau dafür wurde das Education Lab geschaffen.

Auftrag, weil wir unsere Rolle darin weiter schärfen:

  • als Ort, der unterschiedliche Perspektiven zusammenbringt,
  • als Raum für gemeinsames Weiterdenken und konkrete Weiterentwicklung,
  • als Möglichkeit, Gutes aus der Praxis sichtbar zu machen, zu teilen und weiterzutragen.

Dass die Vizebürgermeisterin und Bildungsstadträtin ihre Grundsatzrede bewusst hier gehalten hat, verstehen wir als Wertschätzung dieser Rolle und als Einladung, diesen Dialog fortzusetzen.

Die Umfrage zeigt klar: Viele der angesprochenen Herausforderungen lassen sich nicht „von oben“ lösen. Sie brauchen Austausch, Pilotprojekte, neue Formen der Zusammenarbeit und Orte, an denen man gemeinsam an Lösungen arbeitet. Genau hier sehen wir unsere Aufgabe im Education Lab, heute und in Zukunft.

 

Die Ergebnisse sind auch hier zu finden. 

 

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